Landrat fordert im Umgang mit Afrikanischer Schweinepest und Wolfsübergriffen entschiedeneres Vorgehen vom Land

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) breitet sich in weiten Teilen Brandenburgs aus und steht quasi vor den Toren Sachsen-Anhalts, doch die notwendigen Präventionsmaßnahmen, um bestmöglich auf einen Ausbruch vorbereitet zu sein, lassen auf sich warten. "Meine größte Sorge sind die schweinehaltenden Betriebe und die Landwirtschaft im Landkreis. Beide sind wichtige Wirtschaftsfaktoren der Region und wären von einem Ausbruch stark betroffen. Die ASP ist ein enormes finanzielles Risiko für den Landkreis", mahnt Landrat Dr. Steffen Burchhardt. Im vergangenen Oktober erarbeitete und verabschiedete der Landtag einen Maßnahmenkatalog, um der Ausbreitung des Virus vorzubeugen und im Ernstfall gut vorbereitet zu sein. Doch bislang wurden nur wenige Punkte tatsächlich umgesetzt. Aus Sicht des Landkreises Jerichower Land, der über viele Kilometer an Brandenburg grenzt, drängt die Zeit.

Viele Fragen sind seit der Beratung zwischen dem Land und Vertretern der Landkreise im Herbst 2020 noch unbeantwortet. Aus Sicht der Kreisverwaltung braucht es eine zentrale Koordination und Verantwortung durch Land und Bund, um eine gebietsübergreifende Ausbreitung der ASP auf Sachsen-Anhalt und weitere Bundesländer zu verhindern. "In Mecklenburg-Vorpommern ist man offenbar schon weiter. Das Thema wurde im Landwirtschaftsministerium zur Chefsache erklärt und eine Taskforce gegründet, die sehr zügig und entschlossen arbeitet", so Burchhardt.

Das Jerichower Land sah sich zwischenzeitlich gezwungen, selbst zu handeln. Obwohl eine zentrale Beschaffung von benötigten Materialien effektiver gewesen wäre, hat die Kreisverwaltung auf eigene Kosten 25 km Wildzaun erworben und plant den Erwerb von Wärmebildkameras für Drohnen, um die Suche nach verendeten Wildschweinen in schwer zugänglichen Gebieten zu erleichtern. "Wir haben in Brandenburg gesehen, dass nicht alles glatt gelaufen ist. Daraus müssen wir die entsprechenden Lehren ziehen. Unser Ziel ist es, den Ernstfall mit allen beteiligten Partnern unter realen Bedingungen zu üben. Aber dafür bedarf es weiterer Entscheidungen und einer stringenten Koordination durch das Land", bewertet Landrat Dr. Burchhardt die aktuelle Situation.

Ein wichtiger präventiver Ansatz bei der Bekämpfung der ASP ist die deutliche Reduktion des Schwarzwildbestandes. Hierzu hat der Landtag die Zahlung einer Pürzelprämie beschlossen. Diese Prämie soll dem Vernehmen nach ab dem 1. Januar 2021 für erlegtes Schwarzwild gezahlt werden. "Wir wollen die Jäger so zeitnah wie möglich über den aktuellen Stand informieren, aber bisher liegt noch keine Verwaltungsvereinbarung dazu vor, welche die genauen Rahmenbedingungen regelt. Der Landkreis hat im letzten Jahr eine solche Prämie aus eigenen Mitteln gewährt. Bis zum Ende des Jagdjahres am 31. März 2021 wird diese Prämie den Landkreis schätzungsweise gut 40.000 € kosten. Dass die Jäger ihren Beitrag leisten, zeigen die Abschusszahlen vom Schwarzwild, die von 2.613 in 2019 auf 3.026 in 2020 und damit um gut 16 Prozent sehr deutlich gestiegen sind", ergänzt Landrat Burchhardt.

Auch beim Umgang mit dem Wolf sind andere Bundesländer weiter. So ist dort beispielsweise eine leichtere Entnahme von Problemwölfen beschlossen. Die Rechtslage gibt den Bundesländern diese Möglichkeit, die Bevölkerung und die Nutztiere in Haltung zu schützen. Das Jerichower Land hat die eigene Wolfsresolution überarbeitet und darin klare Forderungen aufgemacht. Diese neue Fassung wird am 23. Februar 2021 im Umweltausschuss des Landkreises diskutiert und voraussichtlich am 24. März 2021 im Kreistag beschlossen. Ziel ist es im Anschluss mit den Nachbarlandkreisen eine gemeinsame Position zu erarbeiten und den Druck auf das Land zu erhöhen.

Die Wolfspopulation ist im Jerichower Land seit 2016 stark gestiegen und im gleichen Atemzug auch die Anzahl der Nutztierrisse durch den Wolf. "Bisher gab es über alle Parteien hinweg die klare Meinung, dass die Wölfe, die wiederholt in der unmittelbaren Nähe zum Menschen Nutztiere reißen und dafür auch empfohlene Schutzzäune überwinden, mit allen Mitteln vergrämt werden müssen. Der Wolf darf die Scheu vor dem Menschen nicht verlieren", warnt Landrat Burchhardt.

Erstellt am: 09.02.2021

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