Nordallianz verständigt sich über mögliche Zukunft der Fähre Ferchland-Grieben

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Am 18. Dezember 2020 verständigten sich die Landräte und Bürgermeister beider Elbseiten in einer Telefonkonferenz abschließend über das Szenario, wie die Fährverbindung Ferchland-Grieben langfristig aufrechterhalten werden kann. "Wir sind uns einig, dass die Fähre nur dann zukunftsfähig ist, wenn wir diese als Gierseilfähre betreiben. Neben einigen anderen Vorteilen sind für uns die deutlich niedrigeren Betriebskosten und der verlässlichere Betrieb der Fähre auch bei Niedrigwasser von entscheidendem Vorteil. Des Weiteren reicht eine Person zum Betrieb der Fähre aus und die formalen Anforderungen für das Personal sind wesentlich geringer", resümiert Landrat Dr. Steffen Burchhardt.

Eine Untersuchung der Pareyer Fähre in den vergangenen Wochen ergab, dass diese auch in den kommenden Jahren betrieben werden kann und ein Umbau zu einer Gierseilfähre technisch möglich ist. Inzwischen liegt den Hauptverwaltungsbeamten auch eine erste Kostenschätzung zum Umbau der Fähre und der Anleger vor. Insgesamt muss von einer Einmalinvestition zwischen 600.000 € - 700.000 € ausgegangen werden, der Großteil davon für die Ertüchtigung der Anleger, damit die Fähre vollständig im Strom der Elbe liegt. "Wenn wir die Fähre mit Beteiligung der Landkreise und Gemeinden wollen, dann halten wir es für sinnvoller einmal mit ausreichender Landes- und Bundesförderung zu investieren und dafür dauerhaft niedrigere Betriebskostenzuschüsse auf alle Schultern zu verteilen", erklärt der Stendaler Landrat Patrick Puhlmann. In den kommenden Wochen müssen nun Gespräche zu den Möglichkeiten der Investitionsförderung mit Landesverkehrsminister Thomas Webel und dem Bund geführt werden. Dabei soll das künftige Konzept zum Betrieb der Fähre sowie sämtliche Kalkulationen als Grundlage dienen.

Im Zentrum der jüngsten Diskussion stand die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung der Gierseilfähre. Hier galt es sowohl die Betriebstage der Fähre, die Kundennachfrage als auch die Betriebskosten einer solchen Gierseilfähre so realistisch wie möglich abzuschätzen. Im Ergebnis rechnen die Verantwortlichen ungefähr mit einem jährlichen Defizit von durchschnittlich 40.000 €, die nach Vorschlag aus einigen Gremien zu jeweils 25 % auf die Landkreise und zu 12,5 % auf die vier Gemeinden solidarisch verteilt werden könnten. "Wenn die Finanzierung des Umbaus gesichert ist, haben wir eine realistische Chance die Verbindung der beiden Landkreise aufrecht zu erhalten, denn bei vielen Partnern ist die Last für den Einzelnen nicht so groß", bewertet Tangerhüttes Bürgermeister Andreas Brohm die Lage.

Dabei gilt es noch einige finale Fragen zu klären. Die Bürgermeisterin der Gemeinde Elbe-Parey, Nicole Golz sichert zu, dass der Gemeinderat so bald wie möglich darüber berät, wie mit dem Eigentum der Fähre umgegangen wird. Die Gemeinde hatte erklärt, die Fähre nicht weiter betreiben zu wollen, ist aber weiterhin Eigentümerin des Schiffes. Nun gilt es zu klären, ob die Fähre dem künftigen Betreiber für einen angemessenen Preis überlassen wird oder gegebenenfalls auch eine Verpachtung der Fähre in Frage kommt. Nachbarbürgermeister Harald Bothe aus Jerichow hofft auf ein positives Zeichen des Gemeinderates Elbe-Parey. Ein hoher Kaufpreis für die Fähre wäre ein zusätzliches Hindernis für den Erhalt der Elbquerung.

Als möglichen Betreiber hat Landrat Burchhardt die Nahverkehrsgesellschaft des Jerichower Landes (NJL) ins Gespräch gebracht. Diese ist eine 100-prozentige Tochtergesellschaft des Landkreises Jerichower Land. "Es drängt sich niemand um diese Aufgabe. Aber ich sehe es als unsere Pflicht eine Lösung zu finden. Nach der Insolvenz eines privaten Betreibers in der Vergangenheit wird von allen eher eine staatliche Lösung präferiert. Die NJL kann Nahverkehr und verfügt über ein motiviertes sowie schlagkräftiges Team. Ich traue ihnen zu, sich auch professionell um die Fähre zu kümmern. Erste Gespräche dazu habe ich bereits mit dem Geschäftsführer Thomas Schlüter geführt", so Burchhardt.

Wenn alle Gremien der beteiligten Landkreise und Gemeinden dem Gesamtkonzept und der finanziellen Beteiligung im Frühjahr zustimmen, wäre die erste und wichtigste Aufgabe der NJL geeignetes Personal zu rekrutieren und auf einen Einsatz vorzubereiten. Für den Betrieb der Fähre soll und muss die Nahverkehrsgesellschaft selbstverständlich auch eine jährliche Aufwandspauschale erhalten. Ziel der Hauptverwaltungsbeamten ist es mit einem mehrjährigen Vertrag die Grundlage für einen gesicherten Weiterbetrieb zu regeln.

Für den Umbau der Fähre und der Anleger muss voraussichtlich mit einer Dauer von 4-6 Monaten gerechnet werden. Aufgrund der niedrigeren Nachfrage in der kalten Jahreszeit ist eine Umsetzung im Winter sicherlich erstrebenswert. Ob die Fähre in der kommenden Sommersaison 2021 bis zu deren Umbau weiter verkehren kann, kann noch nicht abschließend eingeschätzt werden.

Jürgen Pyrdok, Bürgermeister der Stadt Tangermünde spricht von einem vielversprechenden Zwischenstand in der Arbeitsgruppe. Sein Dank geht unter anderem an Heinz Baltus, der in allen Phasen Informationen zusammengetragen und den Verantwortlichen damit die Lösungsfindung deutlich erleichtert hat.

Erstellt am: 28.12.2020

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