Kreis fordert erneut regionale Regulierung der Wolfsbestände und unbürokratische Hilfen

Am Freitag, 17. August 2018 beriet Landrat Dr. Burchhardt in Schopsdorf mit Landwirten und Jägern zum Thema Wolfsschutz und dem aktuellen Entwicklungsstand im Landkreis. Einstimmig wurde konstatiert, dass bislang nur wenig Fortschritt erkennbar ist. Hinsichtlich der Regulierung ist der Weg zur Entschädigung weiterhin ein langwieriger. Oft dauert es noch viele Monate bis das Geld beim Geschädigten ankommt. Und immer noch gibt es keinen angemessenen Ausgleich wirtschaftlicher Verluste der Landwirte. Positiv bewertet die Runde jedoch das Engagement und die Beratung durch das Wolfskompetenzzentrum in Iden. Die zentrale Forderung des Kreises bleibt, die regionale Regulierung der Wolfsbestände als Präventionsmaßnahme sowie unbürokratische Hilfe bei der Schadensregulierung.

Der Landkreis Jerichower Land zählt momentan zu den Regionen mit der höchsten Wolfsdichte in Deutschland. "Der Wolf gehört auch zu unserer Region und findet gerade auf dem Truppenübungsplatz Altengrabow passende Lebensräume. Allerdings muss dafür Sorge getragen werden, dass die Distanz zu Menschen und Siedlungsschwerpunkten bewahrt bleibt. Spätestens wenn Wölfe, wie schon häufig beobachtet, durch die Orte streifen und dort sogar Beute machen, ist das Land in der Pflicht diese Tiere mit geeigneten Mitteln zu vergrämen", bewertet Landrat Dr. Steffen Burchhardt die gegenwärtige Situation. "Die Landesregierung muss dieses Thema und die Sorgen der Menschen ernst nehmen und geeignete Maßnahmen finden. Ein verantwortungsvoller und professioneller Umgang mit dem Thema führt auch zur größeren Akzeptanz des Wolfes in der Bevölkerung und dazu gehört ebenfalls ein deutlich höheres finanzielles Engagement", so Burchhardt weiter.

Im Landkreis sind seit dem Jahre 2016 bereits 120 Nutztiere vom Wolf gerissen worden. Die Dunkelziffer dürfte deutlich darüber liegen, da viele Tiere verschwunden sind und ein geforderter Nachweis damit nicht möglich ist. Peter Deumelandt, Geschäftsführer des Bauernverbandes Jerichower Land merkt an: "Eine langfristige Koexistenz zwischen steigenden Wolfsbeständen und Weidetierhaltung ist schwer möglich. Es ist erkennbar, dass es keine geeigneten und praktikablen Konzepte gegen Übergriffe gibt". Er ist sich sicher, dass der Wolf wieder lernen muss, dass Ortslagen und Weiden eine Gefahr für ihn darstellen.

Kreisjägermeister Hartmut Meyer bestätigt, dass es keinen effektiven Schutz von Nutztieren, insbesondere bei der Weidehaltung gibt: "In der Ortslage der Gemeinde Möser hat ein Wolf bereits einen massiven 1,85m hohen Stahlzaun überwunden, um Schafe zu reißen. Ein wirkungsvoller Schutz ist schlicht nicht finanzierbar. Wir müssen dem Wolf wieder beibringen, dass er dem Mensch aus dem Weg gehen muss. Das geht nur wirksam, wenn sogenannte Problemwölfe geschossen werden."

Nach Aussagen der Jägerschaft im Jerichower Land hat die Ausbreitung des Wolfes im Landkreis zu starken Veränderungen geführt. Das Schwarzwild bildet zum Schutz immer größere Rotten und versteckt sich über einen langen Zeitraum inmitten von Maisfeldern. Rotwild, Damwild und Rehwild sind permanent im Fluchtmodus. Dadurch bedingt hat die Anzahl von Wildunfällen in den vergangenen 2 Jahren stark zugenommen. Die aktuellen Zahlen der Rotwildhegegemeinschaft Jerichower Land Nord zeigen, dass der Wolf in kurzer Zeit das frei lebende Muffelwild in der Region ausgerottet hat, wo hingegen sich das Schwarzwild weiterhin rapide vermehrt, auch weil es aufgrund der Wehrhaftigkeit nicht zur bevorzugten Beute des Wolfes gehört.

Bislang verweist die Landesregierung immer noch auf den hohen Schutzstatus und darauf, dass ein Eingriff in die rasant steigende Population der Wölfe erst möglich sein wird, wenn der Fortbestand der Art als gesichert angesehen werden kann. Projektmodelle zum besseren Schutz durch Einzäunung des Wolfskompetenzzentrums dokumentieren, dass man um Lösungen bemüht ist. Bislang haben sich allerdings alle Ansätze der Vergrämung und damit die angestrebte Prävention als uneffektiv erwiesen.

In seiner Sitzung vom 21.06.2017 hatte der Kreistag des Landkreises Jerichower Land eine Resolution verfasst, um auf die aktuelle Situation der beständigen Ausbreitung des Wolfes in der Region und der damit einhergehenden Probleme aufmerksam zu machen. Grundsätzlich wurde den Ausführungen vorangestellt, dass die Rückkehr des Wolfes ein positives Zeichen ist. Der Kreistag hatte mit der Resolution die Kreisverwaltung gebeten, die Landesregierung und hier insbesondere die Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft und Energie für die mit der Verbreitung des Wolfes einhergehenden Probleme zu sensibilisieren.

Erstellt am: 24.08.2018

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