Die Düne kehrt zurück
Die Taufwiesenberge stehen seit 1992 unter Naturschutz. Ziel ist der Erhalt der wertvollen offenen Sandflächen und Trockenrasen, die für die biologische Vielfalt des Gebietes von besonderer Bedeutung sind.
Zu Beginn der Schutzgebietsausweisung war die Dünenkuppe überwiegend von offenen Sandbereichen, Silbergrasfluren und Trockenrasen geprägt. Im Laufe der Zeit breiteten sich jedoch zunehmend Kiefern aus und veränderten das Landschaftsbild. Aufgrund der stärkeren Beschattung durch die Bäume wurden typische Pflanzenarten immer weiter zurückgedrängt. Auch Sandbienen, Grabwespen und andere auf offene Sandflächen angewiesene Tierarten verloren ihren Lebensraum.
Ohne gezielte Pflege würde sich die Fläche langfristig zu einem Wald entwickeln und der offene Lebensraum der Taufwiesenberge verloren gehen.
Renaturierungsmaßnahmen
Ab Oktober 2026 wird die Kreisverwaltung umfangreiche Maßnahmen zur Wiederherstellung der Binnendünne durchführen. Ziel ist es, einen europaweit bedeutenden Lebensraum für zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten dauerhaft zu sichern. Hierfür ist es notwendig auf einer Fläche von ca. sieben Hektar Kiefern und andere Gehölze zu entnehmen, was in diesem Fall nicht zu Lasten der Natur geht, sondern ein wichtiger Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt in der Elbtalaue darstellt.
Nach Abstimmung mit der Biosphärenreservatverwaltung Mittelelbe, dem Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt sowie der NABU-Stiftung Nationales Naturerbe wurde entschieden, die Dünenkuppe weitgehend vom Gehölzbewuchs freizustellen. Einzelne Eichen sollen hingegen erhalten bleiben genau wie kleinere Waldbereiche im östlichen Teil der Fläche, die bereits bei der Ausweisung zum Naturschutzgebiet bestanden.
Vor der Umsetzung der Maßnahmen werden die Vogelarten im Gebiet erfasst, um mögliche artenschutzrechtliche Konflikte frühzeitig zu erkennen und auszuschließen. Der Eingriff erfolgt bewusst außerhalb der Brut- und Vegetationszeit und stellt damit den aus naturschutzfachlicher Sicht schonendsten Zeitraum dar.
Nach der Wiederherstellung soll die Düne extensiv mit Schafen beweidet werden. Diese historisch belegte Form der Pflege gilt als besonders schonend und nachhaltig für Sandtrockenrasen. Die Schafbeweidung trägt zur Entwicklung geeigneter Standortbedingungen bei. Durch Verbiss, Tritt und die Verbreitung von Samen im Fell unterstützen die Tiere die natürliche Entwicklung des Lebensraums und fördern die Regeneration konkurrenzschwacher, seltener Arten.
Artenvielfalt und Wiederansiedlung
Die geplante Entwicklung stärkt vor allem Arten, die auf offene, sonnige und sandige Lebensräume angewiesen sind und heute nur noch selten vorkommen. Dazu zählen unter anderem Brachpieper, Steinschmätzer, Wiedehopf und Wendehals.
Mit der Wiederherstellung der offenen Dünenlandschaft sollen auch verschollene und stark gefährdete Pflanzenarten wieder gefördert werden. Im Fokus steht unter anderem die Sand-Silberscharte für deren Erhaltung Deutschland eine besondere europaweite Verantwortung trägt. Auch das Gewöhnliche Katzenpfötchen, die Graue Skabiose und das Zierliche Brillenschötchen könnten künftig wieder geeignete Lebensbedingungen finden.
Damit können die Taufwiesenberge langfristig zu einem wichtigen Rückzugsraum und so etwas wie einer „lebenden Datenbank“ für die Trockenrasenflora Mitteldeutschlands werden.
















