Erneut Wolfsübergriffe im Jerichower Land

Am Wochenende kam es im Landkreis erneut zu mehreren Übergriffen von Wölfen. Neben mehreren Schafen fiel dem Wolf auch eine trächtige Stute im Raum Möckern zum Opfer. Wieder geschahen die Angriffe in der Nähe von Siedlungen - offensichtlich hat der Wolf überwiegend die Scheu vor dem Menschen verloren. Wie der Kreisverwaltung berichtet wurde, waren die Zaunsysteme intakt. Es hat sich erneut gezeigt, dass diverse Schutzsysteme den Wolf nicht dauerhaft von Beutetieren fern halten. Dabei ist der Weidezaun einer Pferdekoppel noch einmal deutlich höher als die Standardgröße von Schafszäunen.

Mit der 500 kg schweren Stute hat der Wolf das erste Großtier in Sachsen-Anhalt gerissen und damit belegt, dass sehr viele Nutztierarten zu seinem Beuteschema gehören. Landrat Dr. Steffen Burchhardt: "Ich betrachte die Entwicklung der Übergriffe im Landkreis mit großer Sorgen. Die Anzahl der Wolfsangriffe auf Tiere und Herden steigt kontinuierlich, die Menschen sind zunehmend verunsichert. Bereits im August dieses Jahres mussten wir im Jerichower Land mehr Nutztierrisse verzeichnen als im gesamten Jahr 2019. Die immer weiter steigenden Risszahlen sind ein deutlicher Hinweis auf eine hohe und weiter zunehmende Wolfspopulation in unserer Region".

Schon im Jahr 2017 verabschiedete der Kreistag einstimmig eine Resolution zum Wolf mit der Aufforderung an das Land Sachsen-Anhalt, sich stärker für den Schutz der Nutztiere einzusetzen und dafür alle rechtlichen Möglichkeiten zu nutzen. Bislang gibt es auch vom Wolfskompetenzzentrum keine Lösungsansätze, um die Nutztierhalter wirksam vor Übergriffen zu schützen. Trotz der hohen Ausgaben für den Herdenschutz in Sachsen-Anhalt ist es nicht gelungen, den Wolf auf Dauer zu vergrämen.

Aus Sicht der Kreisverwaltung bleibt damit keine andere Lösung als den Wolf dort zu entnehmen, wo dieser wiederkehrend Nutztiere reißt und dem Menschen sehr nahe kommt. Auch im letzten Umweltausschuss des Landkreises, Anfang September, hat sich eine deutliche Mehrheit dafür stark gemacht, die Wolfs-Resolution zu erneuern, da sich die Situation spürbar verschärft und die Rahmenbedingungen geändert haben. Der in diesem Jahr von der Bundesregierung neu eingeführte § 45a des Bundesnaturschutzgesetzes vereinfacht die rechtlichen Möglichkeiten, die Population des streng geschützten Wolfes zu verringern.

Politik und Verwaltung werden zeitnah eine neue Resolution zum Umgang mit dem Wolf formulieren, um die Landesregierung für die schwierige Entwicklung zu sensibilisieren. Die Kreisverwaltung fordert das Land Sachsen-Anhalt mit Nachdruck dazu auf, Gebrauch vom § 45a zu machen und Problemwölfe, die trotz aller Schutzmaßnahmen weiterhin Nutztiere reißen oder eine Gefahr für die Menschen darstellen, zu entnehmen. Landrat Burchhardt richtet seinen Appell an Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff: "Ich sehe das Land jetzt in der Pflicht zu reagieren. Der Wolf ist kein flächendeckendes Thema, aber Regionen, die so stark betroffen sind wie wir, benötigen dringend Hilfe. Die Zeit des Redens ist vorbei, jetzt muss gehandelt werden."

Erstellt am: 28.09.2020

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